AUTOMOTIVE MEDIAMIX

110 Jahre Alfa Romeo
Mille Miglia Serie

11 Vittorie

26. März 1927 – Startschuss für die erste Mille Miglia

Der erste Große Preis von Italien hatte 1921 noch auf dem Circuito di Montichiari in Brescia stattgefunden, wurde dann aber nach Monza verlegt. Vier Sportwagen-Enthusiasten aus Brescia, Graf Franco Mazzotti, Graf Aymo Maggi, Renzo Castagneto und Giovanni Canestrini machten es sich 1925 zur Aufgabe ihre Heimatstadt mit einem großen Autorennen wieder zu einem Zentrum des Motorsports zu machen. Es sollte ein Straßenrennen vorwiegend über unbefestigte Landstraßen werden und in Brescia starten und enden. Als Streckenlänge ergaben sich ungefähr 1600 Kilometer bzw. 1000 englische Meilen – die Einheit in der bereits die „Alten Römer“ gemessen hatten.

 

Zwei Jahre nach dem Beginn der Überlegungen fiel am 26. März 1927 in Brescia der Startschuss für 77 Wagen. Die Premiere des Rennens gewann ein OM aus Brescia. So trägt noch heute bei der historischen Auflage des Rennens immer ein OM die Startnummer 1.

Die Mille Miglia gehörte zur 1953 eingeführten Sportwagen-Weltmeisterschaft.

Mille Miglia 1928

Opernsänger Guiseppe Campari gewinnt

1928 war die zweite Auflage der Mille Miglia. Die Strecke blieb die gleiche wie im Vorjahr. 83 Fahrzeuge starteten in Brescia, darunter jetzt wesentlich mehr ausländische Marken.

 

Zu Beginn des Rennens dominierten bis hinter Florenz drei Werks-Bugattis vom Typ 43s, unter anderem gefahren von Tazio Nuvolari. Die Bugattis waren zwar schnell aber nicht ausdauernd. Erster Wagen in Rom war der Alfa Romeo von Giuseppe Campari, dem einzigen Kompressor-Alfas. Fast zwei Stunden schneller als 1928 fuhr Campari nach etwas über 1 9 Stunden in Brescia ins Ziel. Auf Platz 2 ein OM und auf Platz 3 ein Lancia Lambda.

 

Giuseppe Campari war Grand Prix Pilot, aber auch zugleich Opernsänger.

Mille Miglia 1929

Alfa Romeos belegen sieben der ersten zehn Plätze

Vom Start weg dominierte Baron Borzacchinis Maserati, der auch als erster Rom erreichte, mit 4 Minuten Vorsprung auf Vorjahressieger Campari mit einem Alfa Romeo 1750 SS. Kurze Zeit später überholte Campari dann Borzacchini.

 

70 Minuten schneller als im Vorjahr fuhr Campari über die Ziellinie in Brescia. Auf Platz 2 ein OM. Alfa Romeo belegten sieben der ersten zehn Plätze.

Mille Miglia 1930

Erstmals über 100 Fahrzeuge am Start

1930 waren mit 135 Wagen zum ersten mal über 100 Wagen am Start. Auch Mercedes war zum ersten mal dabei mit dem schweren SSK mit 7-Liter-Motor, gefahren von Rudolf Caracciola. Dieser sollte allerdings erst im Folgejahr die Mille Miglia gewinnen. Zum ersten mal trat auch die im November 1929 gegründete Scuderia Ferrari mit Alfa Romeos an.

 

Seit Rom wurden die drei Spitzenplätze von den Alfa Romeo Werksfahrern Nuvolari, Varzi und Campari gehalten. Nach der Legende schlich sich Nuvolari mit abgestelltem Licht an den ahnungslosen Varzi heran und überholte ihn. Nach 16 Stunden und 19 Minuten fuhr Nuvolari (Gewinner von 5 Motorrad Grand Prix) als erster über die Ziellinie. Zum ersten mal war die 100 km/h-Schwelle unterschritten.

 

1930 gab es auch einen ersten Todesfall, der Privatfahrer Enrico Benini mit einem Alfa Romeo.

Mille Miglia 1932

Der Start wird vom Nachmittag auf morgens 8 Uhr verlegt

1932 wurde der Start erstmals vom Nachmittag auf 8 Uhr morgens verlegt, um den Großteil der Strecke nun bei Tageslicht zu fahren.

 

Bis Bologna waren die führenden Fahrer Nuvolari mit einem Alfa Rome 8C 2300 Spider, Varzi mit einem Bugatti Typ 55 und Vorjahressieger Caracciola. Nachdem Nuvolari und Varzi verunfallten erreichte Caracciola als erster Rom. Nach einem Rahmenbruch übernahm Campari die Führung, der schließlich von Borzacchini aufgeholt und überholt wurde.

 

Borzacchini mit Beifahrer Bignami erreichten nach knapp 15 Stunden das Ziel in Brescia mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 109 km/h.

Mille Miglia 1933

Das Alfa Romeo Werksteam zieht sich aus dem Rennsport zurück.
Alfa Romeos belegen dennoch alle zehn ersten Plätze

Angeblich aufgrund Vorbereitungen auf die Grand Prixs zog sich das finanziell in Schwierigkeiten befindliche Unternehmen Alfa Romeo 1933 aus dem Rennsport zurück.

 

Enzo Ferrari der mit seiner Scuderia Ferrari bislang nur Klassensiege erringen konnte wollte die Gelegenheit auf den Gesamtsieg nutzen und setzte brandneue Alfa Romeo 8C 2300 ein. Mit den Fahrern Nuvolari, Bozacchini, Taruffi und Trossi. Einziger wirklicher Herausforderer war Manfred von Brauchitsch mit einem Mercedes SSKL. Dieser fiel allerdings früh aus. Überlegen mit 12 Minuten gewann Tazio Nuvolari das Rennen. Alle zehn ersten Plätze gingen an Alfa Romeo. Erstmals wurde die Bestzeit des Vorjahres nicht unterboten.

 

Das italienische Land- und Forstwirtschaftsministerium setzte einen kohlegasbetriebenen Alfa Romeo 6C ein. Dieser erreichte sogar das Ziel, allerdings mit einer Gesamtzeit von über 25 Stunden.

Mille Miglia 1934

Keine Klassenwertungen und Sonderauszeichnungen – dadurch nur 57 gemeldete Wagen

Für die 12. Auflage der Mille Miglia gab es als größte Reglementsänderung den Verzicht auf Klassenwertungen und Sonderauszeichnungen. Dadurch reduzierte sich die Zahl der gemeldeten Wagen auf nur 57.

 

Nuvolari startete mit einem Alfa Romeo 8C 2300 für die Scuderia Siena. In der Scderia Ferrari starteten Varzi und sogar der Franzose Louis Chiron jeweils mit einem Alfa Romeo 8C 2600.

 

Der Start erfolgte zwischen 4 und 6 Uhr morgens. Den Sieger erwartete man gegen 20 Uhr. Nachdem Nuvolari das Feld bis Rom anführte wurde dieser nach der Hauptstadt von Varzi überholt. Da es im Norden regnete bekam Varzi beim Wartungspunkt in Imola Regenreifen und neue Zündkerzen für die kommende Strecke mit hohen Geschwindigkeiten. Mit fast 9 Minuten Vorsprung auf Nuvolari erreichte Achille Varzi das Ziel in Brescia. Trotz Regen wurde der Streckenrekord unterboten.

Mille Miglia 1935

Durch mangelnde Sicherheit nur zwei ausländische Fahrzeuge am Start

Die mangelnde Sicherheit beim inzwischen populärsten Straßenrennen Italiens führte dazu, dass kaum nicht-italienische Teams starteten. 1935 waren dies lediglich zwei britische Aston Martin Ulster. Ein weiteres Sicherheitsproblem waren die zahlreichen Amateurfahrer am Start. 1935 betrug die gesamte Renndauer 24 h 32 min. So lange brauchte ein privat gemeldeter Fiat 508 Balilla – mehr als zehn Stunden länger als der siegreiche Alfa Romeo.

 

Maserati baute für Achille Varzi einen 6C-Grand-Prix-Wagen zu einem Sportwagen um. Als Enzo Ferrari davon erfuhr, baute man auch bei der Scuderia Ferrari einen Monoposto zu einem Sportwagen um. Aus einem Alfa Romeo P3 wurde ein Alfa Romeo P3 2900 Biposto. Das Cockpit war so schmal, dass nur der schmächtige Carlo Maria Pintacuda darin Platz nehmen konnte. Sein Beifahrer musste sich die meiste Zeit aus dem Wagen lehnen.

 

Zu Beginn führte Mario Tadini im Alfa Romeo 8C 2300 Monza 2.6 das Rennen an. Varzi schied schon früh nach einem technischen Defekt aus. Am Ziel war der Alfa Romeo von Pintacuda das schnellste Fahrzeug – mit einem Vorsprung von mehr als 40 Minuten auf Tadini.

Mille Miglia 1936

Infolge Ölembargo und Mangel an Treibstoff Einführung einer neuen Rennklasse mit alternativen Kraftstoffen

In Folge des Abessinienkriegs wurde Italien von einem Ölembargo des Völkerbundes getroffen. Einige Motorsportveranstaltungen mussten dadurch 1936 abgesagt werden. Die Mille Miglia fand allerdings statt. Der Mangel an Treibstoff führte zu einer neuen Rennklasse mit alternativen Kraftstoffen. Eingeteilt nach festen, flüssigen und gasförmigen. Diese Fahrzeuge waren allerdings extrem langsam und sorgten für eine ungewöhnliche Verlängerung des Rennens. Ein Fiat 508 Balilla Gas fuhr 31:28 Stunden und erreichte als einziger gasbetriebener Wagen das Ziel.

 

Einzige ausländische Starter waren Aston Martin und ein Bugatti. Die Scuderia Ferrari meldete drei Alfa Romeo 8C 2900A und war klarer Favorit auf den Gesamtsieg. Offen blieb nur, welcher Wagen gewinnen würde. Der harte Zweikampf führte zum engsten Zieleinlauf der Mille-Miglia-Geschichte. Brivios 2900 hatte wegen einem Elektrikschaden keine Beleuchtung. Er wurde von einem Freund in Tourenwagen an den Stadtrand von Brescia geführt. Im Ziel in Brescia hatte Antonio Brivio nach 13:07:51 Stunden einen Vorsprung von nur 32 Sekunden auf seinen jungen Teamkollegen und Mille Miglia debütanten Giuseppe Farina. Dritter wurde Carlo Maria Pintacuda, mit 40 Minuten Rückstand.

Mille Miglia 1937

Regen, Sturm und Schneeregen

Der auf Benito Mussolini zugelassene Alfa Romeo 6C 2300 B wurde von seinem Fahrer Ercole Boratto über die Mille Miglia gesteuert und erreichte sogar den 4. Gesamtplatz. Wichtigste Änderung im Reglement war die Einführung einer Tourenwagenklasse.

 

Ernstzunehmende Konkurrenz für die Alfa Romeos der Scuderia Ferrari mit den Fahrern Pintacuda und Farina waren die Werkswagen von Talbot und Delahaye.

Carlo Pintacuda startete als letzter um 9:26 Uhr. Regen und Sturm begleiteten das Rennen, auf dem Futa-Pass sogar Schneeregen. Sieger wurde Pintacuda, gefolgt von Farina und einem Delahaye.

 

In der Klasse bis 750 ccm erreichten Fiat 500 die ersten 8 Plätze. Mit einem Schnitt von über 70 km/h, trotz schwerem Werkzeug und zweiköpfiger Besatzung.

Mille Miglia 1938

Das Werk Alfa Romeo ist wieder im Rennsport – als Alfa Corse.
Leiter wird Enzo Ferrari.

1938 kehrte Alfa Romeo in den Rennsport zurück. Die Rennabteilung hieß Alfa Corse. Die Scuderia Ferrari in Modena wurde aufgelöst und in die Alfa Corse integriert. Leiter der Rennsportabteilung war der Commendatore Enzo Ferrari.

 

Für das Rennen wurden für die Top-Klasse vier Alfa 8C 2900 B gemeldet von denen einer auf 2991 ccm aufgebohrt und von Clemente Biondetti gefahren wurde. Der Wagen verfügte über rund 300 PS.

 

Nach starkem Start Pintacudas übernahm Teamkollege Biondetti die Führung und hielt sie bis zum Ziel in Brescia. Überschattet wurde das Rennen von einem Unfall in Bologna. Ein Lancia Aprilia kam auf kreuzenden Straßenbahnschienen ins Schleudern und rutschte in die Zuschauer. 10 Personen starben, darunter sieben Kinder. 23 weitere wurden verletzt.

Mille Miglia 1947

Erste Nachkriegs-Mille Miglia

Durch Kriegsschäden wurde eine völlig andere Streckenführung gewählt. Diesmal über 1827 km, unter Einbezug der Städte Mailand und Turin.

 

Zu Ehren des 1943 abgeschossenen Franco Mazzotti sollte der Gewinner der Mille Miglia einen nach ihm benannten Pokal erhalten.

 

Um möglichst viele Teilnehmer anzulocken versprach die Organisation ausreichend Kraftstoff und einen Satz Reifen für nur 20.000 Lire. Dadurch starteten von den gemeldeten 245 Wagen dann nur noch 150.

 

Mit dem Ferrari 125 S nahm auch der erste „echte” Ferrari an der Mille Miglia teil. Nach dem frühen Ausfall des Ferraris kämpften bei wolkenbruchartigem Wetter Nuvolari mit einem engen offenen Cisitalia und Biondetti mit einem geräumigen Coupe um den Sieg. Biondetti gewann mit einem Vorsprung von 5 Minuten gegen Nuvolari.